Videokonferenz mit Rudolf Alteheld, Geschäftsbereichsleiter Forst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Erstellt von LV | |   LWK

Am 11. Mai fand eine Videokonferenz mit Rudolf Alteheld, Geschäftsbereichsleiter Forst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem BDF statt. Vom Landesverband Niedersachsen nahmen Jörg Becker und Ulf Wahlers teil. Beide leiten die BDF Arbeitsgruppe „Landwirtschaftskammer“. Es wurden verschiedene aktuelle forstpolitische Themen besprochen:

Situation des Forstbereiches der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK)

Die Waldbesitzenden können für Maßnahmen, die im Zusammenhang mit Waldschäden stehen, Fördermittel von Land Niedersachsen beantragen. Für diese Antragsstellung, die in den meisten Fällen durch die Förster und Försterinnen erfolgt, erhebt die LWK eine Gebühr von 16% der Zuwendungssumme. Das führt zu einer erheblich verbesserten Einnahmesituation.

Die Erwartung an die dadurch resultierende Mehreinnahme blieb allerdings aus. Das lag zum einen daran, dass deutlich weniger Anträge gestellt wurden. Zum anderen ist ein großer Anteil „nur“ vorab bewilligt. Dieses unbürokratische Verfahren ist gemacht worden, um einen unverzüglichen Maßnahmenbeginn zu ermöglichen. Die Gebühren, können im Antragsverfahren erst bei der endgültigen Abrechnung der Anträge gestellt und vereinnahmt werden. Dazu muss aber eine endgültige Bewilligung stattfinden. Hier kommt es allerdings zu einem, durch Personalmangel herbeigeführten, gewissen Stau.

 

Wofür sind diese Einnahmen eigentlich vorgesehen?

Sie sind für unterschiedliche Verwendungen im Geschäftsbereich Forst eingeplant. Dazu gehört u.a. die Möglichkeit „Förster zur besonderen Verwendung“ (ZBV´ler), sogenannte „Springer“, einzusetzen.  Diese sollen im Wesentlichen die Bezirksförster und -Försterinnen in den Hauptschadensgebieten entlasten.

Zusätzlich finden diese Gelder auch Anwendung in der Aufstockung von Anwärterstellen, von derzeit 6 auf 10.

Ein anderer Teil wird zur Kostendeckung administrativer Aufgaben in anderen Geschäftsbereichen eingesetzt.

Veränderungen in Bewerbungsgesprächen mit Anwärter und Anwärterinnen

Bei den Bewerbungsgesprächen für die forstlichen Anwärter und Anwärterinnen, gibt es nun ein verändertes Prozedere. Diese nun früh im Jahr statt und sind für den neuen Jahrgang bereits erfolgt. Auch die Zuweisungen auf die Ausbildungsförstereien ist bereits vollzogen.

Die Vorauswahl wird rein nach den Bewerbungsunterlagen durchgeführt. Das Bewerbungsgespräch selber, hat nun einen höheren Anteil an der Entscheidungsfindung. Hier geht es neben gutem forstlichen Wissen auch um Flexibilität und Sozialkompetenz. Die Wünsche zu dem Einsatzort der Anwärter werden, wenn möglich, berücksichtigt.

 

Neuorganisation der forstlichen Betreuung und Beratung im niedersächsischen Privatwald:

Die derzeitige Direktzahlung vom Land Niedersachsen an die Landwirtschaftskammer und den Niedersächsischen Landesforsten, wird ab dem ersten Januar 2023 eingestellt. Diese finanziellen Mittel sind für die Beratung und Betreuung des privaten Waldbesitzes, die sogenannte Offizialberatung, durch die beiden öffentlichen Verwaltungen. Zukünftig werden diese Zuschüsse über eine Förderrichtlinie, den in Forstbetriebsgemeinschaften (FBG´en) organisierten Waldbesitzern, direkt zur Verfügung gestellt. Grundlage dafür ist die Umstellung auf eine EU-gerechte Förderrichtlinie. Diese soll einen diskriminierungsfreien Zugang zu einer bezuschussten Beratung und Betreuung der privaten Waldbesitzenden gewährleisten.

Antragsberechtigt sind allerdings nur die FBG´en selber. Um die Mittel zu bekommen, müssen sie zunächst Anträge stellen. Erst nach einer Bewilligung können sie dann ihren Dienstleister frei wählen.

Laut Rudolf Alteheld liegt noch kein konkreter Richtlinienentwurf für diese Förderung vor. Jedoch sind schon einige Eckdaten geklärt und können als gesichert angesehen werden. Unter anderem beträgt der Bewilligungszeitraum für die beantragte Förderung 5 Jahre. Aufgrund einer Anteilsfinanzierung von unter 50 % ist keine Ausschreibung, sondern nur eine Angebotseinholung von mindestens drei Anbietern, erforderlich. Als Mindeststandard für diese Dienstleistungen ist der forstliche Bachelor-Abschluss, auch ohne Vorbereitungsdienst, vorgesehen.

Grundsätzlich macht sich der Leiter des Geschäftsbereichs Forst wenig Sorgen zu diesem Thema. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird auch zukünftig der größte Anbieter eines forstlichen Beratungs- und Dienstleistungsangebotes in Niedersachsen bleiben. Sicher wird es zu einem Mehraufwand bei der Abrechnung der Förderanträge kommen. Wie das allerdings gestaltet werden soll, ist noch offen. Eine Trennung von Beratung und Dienstleistung, wie in anderen Bundesländern, ist jedenfalls nicht angedacht.

Auswirkungen des Niedersächsischen Weges auf den Privatwald:

Das Land Niedersachsen, das Landvolk die LWK und die Naturschutzverbände haben sich, hinsichtlich von Umweltthemen, auf einen sogenannten „Niedersächsischen Weg“ geeinigt. Hiervon ist hauptsächlich die Landwirtschaft betroffen. Aber auch der Wald ist dabei ein Thema. Hierdurch wird die Forstwirtschaft deutliche Einschränkungen erfahren. Der Landeswald mehr als der Privatwald. Letzterer durch Änderungen der waldbaulichen Förderrichtlinie. So werden zum Beispiel wiedermal fremdländische Baumarten, seit Jahren Streitthema zwischen den unterschiedlichen Naturschutzorganisationen und der Forstwirtschaft, nur noch mit maximal 49 % Flächenanteil förderfähig sein. Das auch nur auf ausgewählten Standorten. Hierzu zählen zum Beispiel die Roteiche, Küstentanne, Japanlärche und vor allem die Douglasie. Alles Baumarten, denen eine stabile Zukunft im Klimawandel zugeschrieben wird! Nichteuropäische Baumarten sind von der Förderung ganz ausgeschlossen oder zumindest noch stärker eingeschränkt.

Es soll sogar ein Monitoring eingeführt werden, dass den Anteil gepflanzter nicht-europäischer Baumarten überwacht. In wie weit die niedersächsischen Waldbesitzer diese veränderte Förderrichtlinie akzeptieren und in Anspruch nehmen, bleibt abzuwarten.

Alles in Allem war das Gespräch für den BDF Niedersachsen, als Vertreter der in der Forstwirtschaft arbeitenden Personen, sehr aufschlussreich. Es liegen spanende Zeiten vor uns. Der BDF wird sich im Sinnen der Beschäftigten einbringen und mitgestalten.

Zurück