Skip to main navigation Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Landesverbandstag 2025: "KI meets nature" - Vormittagsprogramm

Mit mehr als 130 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aller Altersgruppen war der BDF-Verbandstag am 15. Mai in Wolfsburg nicht nur gut besucht, sondern er zeigte auch das Interesse der Mitglieder und dass es gelingt, junge Kollegen und Kolleginnen für ihre Berufsvertretung zu gewinnen.

Zum öffentlichen Teil der Veranstaltung begrüßte Dirk Schäfer als Noch-Landesvorsitzender neben Waldministerin Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen) auch Oberbürgermeister Dennis Weilmann, MdL Sebastian Penno (SPD), Markus Fischer von der AfL, Kristin Braune vom BDF-Sozialwerk sowie Ines von Keller als Bundesgeschäftsführerin des BDF. Das Science Center phaeno sei für das Rahmenthema ein passender Ort und der Verbandstag ein wichtiger Treffpunkt, denn so oft sehe man sich ja nicht.

Oberbürgermeister Weilmann sprach mit Verweis auf Wolfsburg als wohl grünster Stadt in Niedersachsen ein Willkommen aus. Er betonte die Bedeutung des Waldes für die Stadt als Naturgut, Vermögenswert und für die Erholung. In einer dynamischen und wuseligen Stadt wie Wolfsburg sei der Wald ein wichtiger Ruhepunkt. Die lange Partnerschaft mit den Landesforsten habe sich bewährt, das Forstpersonal sei mit „Herzblut“ dabei und soeben sei mit dem Wolfsburger WaldWeg ein Zukunftskonzept beschlossen worden.

Michel Junge, Leiter des phaeno Wolfsburg, begrüßte die Anwesenden und pries die phaeno-Welt des Machens und Ausprobierens, die ein Trainingslager für eigenes Denken sei („Heureka – ich habe es gefunden!“). Künstliche Intelligenz (KI) in der Form, wie die Allgemeinheit sie kenne, sei derzeit vor allem ein auf der Analyse von Sprache beruhendes Hilfsmittel, das zwar mehr oder weniger zuverlässige Antworten liefere, aber Denken und Entscheiden müsse nach wie vor der Mensch.

Wald- und Forstministerin Miriam Staudte bedankte sich beim BDF, der Verband sei ein wichtiger Ansprechpartner für die Politik. Ihr besonderer Dank ging an Dirk Schäfer, der über zwölf Jahre ein freundlicher, aber engagierter und bestimmter Interessenvertreter gewesen sei. In ihrem Gastvortrag betonte sie weiter die gesellschaftlichen und politischen Erwartungen an den Wald einerseits, sowie die Herausforderungen und Grenzen durch die Klimakrise andererseits. Dabei gehe es auch um die Anforderungen aus der EU-weiten LULUCF-Verordnung. So habe die Bundeswaldinventur 4 neben vielen positiven Resultaten auch den Verlust der CO2-Senkenfunktion der Wälder ergeben. Ob dies ein einmaliger Effekt oder eine Trendumkehr sei, müsse man nun gut im Blick behalten, unterstrich die Ministerin. Im Ministerium habe man daher eine Koordinierungsgruppe Klimawandel eingerichtet, die auch Fernerkundung und Digitalisierung thematisiere, so die Ministerin weiter.

Dabei könne KI helfen, Antworten zu finden: „Die Planungen für die Wiederbewaldung und den Waldumbau müssen die Unsicherheiten des Klimawandels berücksichtigen.“ Da man im Wald über Jahrzehnte im Voraus planen und entscheiden müsse, sei „die Risikostreuung besonders wichtig. Hier können neue ‚Waldsatelliten‘ enorm hilfreich für die Bewertung und Interpretation von Daten sein. KI ist kein Ersatz für die Arbeit der Forstleute – sie kann sie aber unterstützen. Die Bewertung und Entscheidung liegen weiter beim Menschen. Die Entwicklung von KI führt uns besonders vor Augen, dass eine gute Aus- und Weiterbildung in der Forstwirtschaft wichtig ist und auch wichtig bleibt.“

Zu den aktuell diskutierten Revierauflösungen im Harz positionierte sich die Ministerin mit deutlicher Skepsis. Auch wenn mit dem Verlust vieler Fichtenwälder die Einnahmen weggebrochen sind stelle sich die Frage, ob das angesichts der zukünftigen Herausforderungen die richtige Konsequenz sei.

 

KI meets nature

Vorsichtig auf dem Weg zum „smarten Betrieb“

Digitalisierung in den Landesforsten war das Thema von Wolf Kleinschmit, Leiter des Niedersächsischen Forstplanungsamtes (NFP). Da das Planungsamt weit mehr als Planung mache, sei das Thema Digitalisierung, beginnend in den 1970er Jahren mit eigenem EDV-Dezernat, dort gut aufgehoben. In der neuen Strategie NLF.2030 sei Digitalisierung einer von fünf Kernprozessen. Die digitale Transformation solle mobiles Arbeiten ermöglichen, Ziel sein ein „smarter Betrieb“. KI betreffe alle Bereiche von Produktion über Personal und Verwaltung, dabei seien Sicherheit - und nicht ständige Neuerungen - wichtig, die Mitarbeiter müssten mitgenommen werden und es gelte eine KI-Kompetenz aufzubauen. KI-Kompetenz sei nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine Chance für die NLF, die Vorteile der KI zu nutzen und sich für die Zukunft zu rüsten. Als Beispiele führte Kleinschmit die Entwicklung digitaler Zwillinge von Waldbeständen, die Digitalisierung der Holzernte und im Verwaltungsbereich die Digitalisierung des Jagdmanagements mit Hilfe der App Revierwelt an.

 

Durchdigitalisierter Privatforstbetrieb

Für den mit 9.600 Hektar größten privaten niedersächsischen Forstbetrieb, die Arenberg-Meppen GmbH, stellte deren Leiter Thomas Schomaker den dortigen Stand der Digitalisierung vor. Für die Arbeit im Wald stellt das app-basierte Programm Dynamic Forest (OCELL, München) alle Daten zur Verfügung, so dass die Forstleute damit im Wald alle Informationen abrufen, sowie vor Ort Karten und Arbeitsaufträge erstellen können. Für die ebenfalls app-basierte Holzerfassung und Weiterleitung an die Rechnungsprogramme bewährt sich das Programm FOVEA (palos, Salzburg). Ein eigenes, für die Verwaltung entwickeltes Liegenschaftsverwaltungs- und Fakturierungsprogramm steht für die Liegenschaftsverwaltung, die Vertragsverwaltung und alle Rechnungsprozesse zur Verfügung, ergänzt durch den ReWo-Manager mit integriertem Dokumenten-Management-System (conducting, Siegen). Viele der Programme arbeiten KI-unterstützt, dazu kommt die Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern (Übersetzungen mit Google Lens) und Videokonferenzen zur Zeitersparnis. Für Karten usw. wird App- und Web-basiert mit ArcGIS Pro gearbeitet (Esri, Kranzberg).

 

Von der starren Forsteinrichtung zum dynamischen Management

Den „Stand der Wissenschaft“ mit Schwerpunkt auf dem Waldmonitoring erläuterte Professor Paul Magdon von der HAWK. Insbesondere durch die Dynamik des Klimawandels gebe es erhöhte Unsicherheiten bei der Voraussage der Waldentwicklung. Dazu stiegen die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald und der Fachkräftemangel (Generationswechsel) als Herausforderungen. Die Forstplanung habe einen erhöhten Planungsaufwand und der Informationsbedarf über die Wälder steige. Die etablierten Inventurverfahren (flächig, Stichprobe oder beides) alle zehn Jahre reichten nicht mehr aus. „Um den aktuellen Herausforderungen in der Waldbewirtschaftung zu begegnen, werden effiziente Waldmonitoring- und Forstplanungssysteme mit flexiblen Beobachtungszeiträumen benötigt.“ Die künftigen Werkzeuge zur Unterstützung des Waldmonitorings seien die Fernerkundung, digitale forstliche Informationssysteme, Umweltsensornetzwerke und KI/Maschinelle Lernverfahren. In der Fernerkundung sind multispektrale Luftbilder (z.B. der Landesvermessungsämter), Satellitenbilder (z.B. Copernicus-Programm) und Fernerkundungssensoren mögliche Anwendungen. Besonderes Augenmerk richtete Magdon auf das Sensorverfahren Airborne Laser Scanning (ALS). Durch den Blick bis auf den Waldboden ermögliche ALS eine dreidimensionale Walderkundung und -darstellung. Weitere neue Chancen sieht er in Umweltsensoren im Wald selbst, die als Kamera, als Klimasensoren, als akustische oder Bodensensoren und als Pflanzensensoren zunehmend zum Einsatz kommen. Mit vielen Partnerinstitutionen beteiligt sich die HAWK am Leuchtturmprojekt ForestPulse zur Entwicklung eines öffentlichen und kostenlosen Copernicus-Dienstes zur Erstellung konsistenter regionalisierbarer Baumarten-, Vitalitäts- und Strukturinformationen für die Waldfläche Deutschlands. Ziel sind deutschlandweite Karten im Raster 10 mal 10 Meter mit Darstellung von Grundfläche, Holzvorrat, Kronenüberschirmung und vertikaler Schichtung. Die neuen Verfahren ermöglichen die dynamische Erfassung von Waldbeständen und damit die Führung dynamischer Betriebswerke. Professor Magdon betont dafür die Bedeutung der Erfahrung und Ortskenntnis der Forstleute, die Ausbildung digitaler Kompetenzen beim forstlichen Fachpersonal und plädiert für den Einsatz von Open-Source-Software und freier Daten zur langfristigen Unabhängigkeit von Dienstleistern.

Die HAWK integriert Fernerkundung, GIS und digitale Techniken verstärkt in das Curriculum des Bachelorstudienganges Forstwirtschaft ebenso wie im neuen Masterstudium Waldökosystemmanagement und forstliche Bioökonomie.

 

Keine „digitale Revolution“ im Wald erwartet

Im Gegensatz zur stärker genormten Landwirtschaft erwartet BDF-Bundesvorsitzender Dirk Schäfer aufgrund der Komplexität von Wäldern keine digitale Revolution. Die digitale Durchdringung sei aber präsent und nehme zu. Sie könne auch helfen, dass die Forstleute mehr Zeit im Wald statt am Schreibtisch verbringen und wichtige Informationen leicht „outdoor“ verfügbar sind. Ziel müsse es sein, die Arbeit so zu gestalten, dass sie auch künftig sinnhaft bleibe und befriedige. Dabei müsse KI Unterstützungsmittel bleiben – Entscheidungen sind von den verantwortlichen Forstleuten zu treffen! „Der Forstberuf ist ein ‚Draußen-Beruf‘, wichtige Waldkompetenzen erwerben wir durch Erfahrung – das können keine Sensoren oder Drohnen übernehmen. Wir gewinnen durch die Erfahrung auch ein Gefühl für den Wald, das macht uns glaubwürdig.“ Erfahrungswissen wachse nicht, wenn die Forstleute weniger draußen seien. So möge KI von der Zeit im Büro entlasten, die Zeit im Wald müsse bleiben.

 

12 Jahre Landesverbandsvorsitzender 

Mit Dirk Schäfer geht eine Phase zu Ende, in der der BDF-Niedersachsen unter anderem seine Organisationsstruktur mit Fachausschüssen und Regionalsprechern modernisiert hat. Wichtig ist für Dirk Schäfer, dass dabei die inhaltlichen Ziele der Verbandsarbeit gleichgeblieben sind. Dazu kam eine erfolgreiche finanzielle Konsolidierung: „Der BDF muss kampagnenfähig sein!“

Mit Sturm und Dürre ab 2018 folgten neue Herausforderungen, der 2019 unter anderem mit dem Forum Wald und Klima in Wolfsburg gemeinsam mit der IG BAU als beeindruckender Veranstaltung zu den Waldschäden begegnet wurde. Die Chance für mehr Personal (Ministerpräsidenten Stephan Weil) wurde seitens der Landesforsten leider vertan. Als im Niedersächsischen Weg der Wald einbezogen wurde, schlossen sich 2020 elf Interessenvertretungen zur Allianz für Wald und Forstwirtschaft zusammen – die Initiative dazu ging vom BDF aus. Auf die organisatorischen Überlegungen nach der Entwaldung des Harzes wurde mit einem Workshop (2023) reagiert: der BDF bringt sich konstruktiv in Veränderungsprozesse ein.

Für alle Aktivitäten betont Schäfer den Wert der Gemeinschaftsarbeit – allein erreicht man nichts! -  verbunden mit einem Dank an alle Mitwirkenden. Mit der Neubesetzung der Geschäftsstelle sieht Dirk Schäfer den BDF Niedersachsen gut aufgestellt. Als neue Herausforderung wartet unter anderem die künftige Bedarfsdeckung bei den Forstwirten. Hier fehlen ihm noch verlässliche Konzepte.

„Das Amt war große Freude und Bereicherung neben der Belastung“, resümiert der scheidende Landesvorsitzende. „Forstleute haben Ideen vom Wald, der Waldentwicklung und der Zukunft des Waldes. Sie haben den Mut anzupacken.“ Er wünscht sich Überzeugung und Stolz auf die Arbeit sowie den Wald, der uns diese Arbeit beschert.

Rainer Städing

Zurück